Liebesgefühl
Manchmal frage ich mich, was Liebe eigentlich ist. Wer tut das nicht? Irgendwann fällt uns allen auf, dass sie nicht das ist, wofür wir sie hielten. Es ist nicht das simple, klare Gefühl, von dem man uns erzählt. Liebe ist etwas kompliziertes. Ein Spinnennetz aus bunten Fäden das sich über unser Herz zieht. Jeder Mensch für den wir so etwas wie Zuneigung empfinden, spinnt uns langsam ein. Bis das Herz gefangen ist, sich nicht mehr befreien kann.
Wie definieren Sie liebe?
Ein Gespräch mit einem sehr guten Freund gestern ergab, dass er Liebe nur in Verbindung mit etwas sexuellem sieht. Alles andere ist platonisch, rein freundschaftlich. "Etwas anderes". Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, "Liebe" an sich hat rein gar nichts mit sexuellen präferenzen zu tun. Ich fühle mich plötzlich, und damit meine ich seit 2-3 Wochen, losgelöst von meiner Sexualität. Frei schwebend. Ich fühle mich plötzlich dem Druck entkommen, der mir beim Wort Liebe immer auflag. Dem, darin auch einen Partner zu sehen. Einen sexuellen und einen Lebenspartner. Jemanden an den man fest gebunden ist, ohne freiheiten. Monogamie.
Es ist, als hätte man mir eine Art Zwang diesbezüglich auferlegt, oder eingeredet. Eine Art gesellschaftlicher Zwang. Und plötzlich bin ich frei davon. Habe nicht mehr das bedürfnis, ihn zu erfüllen, oder das Gefühl, ihn befolgen zu müssen.
Auf einmal bin ich frei. Wie der Sauerstoff in der Luft. Ich fühle mich, als könnte ich überall hin fliegen. Werde hin und her getragen. Lasse mich von Menschen ein- und wieder ausatmen, wie es mir beliebt.
Ich merke schon, der Vergleich hinkt in vielerlei Hinsicht, aber ich denke das Grundprinzip ist verständlich.
Ich frage mich:
Bin ich wirklich so losgelöst wie ich mir gerade vorkomme? Zum ersten Mal seit langem, eher zum zweiten Mal in meinem Leben empfinde ich wieder ein richtiges Liebes-Gefühl für jemanden. Alles dazwischen war nur frustrierende verknalltheit. Ich redete mir etwas ein, was nicht da war.
Nur merkwürdigerweise, habe ich nicht das Bedürfnis, mich daran festzumachen, mich selbst anzubinden. Unsere Beziehung zueinander ist rein platonisch und ohne jeglichen Ansporn, etwas anderes daraus zu machen. Trotzdem kann ich dieses Gefühl der Liebe nicht platonisch nennen. Und ich kann es auch nicht sexuell orientiert nennen. Es ist frei von solchen Kategorien. Es ist einfach da und schwebt im Raum, und ich atme es ein und aus wie es mir beliebt.
Ist das eine Illusion? Pure Einbildung?
Oder sind andere Menschen dafür einfach nicht zugänglich?
Empfinden sie anders?
Ich schwebe in der Luft, weit über mir, und beobachte alles. Ich betrachte und inspiziere, ich urteile nicht, ich greife nicht ein. Ich lasse das Leben ziehen, wohin es will und zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich gänzlich wohl damit.
Und ich liebe diesen Zustand...




sturmfrau am 04.Aug 15  |  Permalink
Sehr treffend beschrieben! Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, es geht über Begrifflichkeiten weit hinaus und besitzt eine Innigkeit und Intensität, die man mit Worten nur schwer ausdrücken kann. Vielleicht, weil dieses Gefühl für sich stehen kan, ohne dass sich daraus Forderungen an die eigene oder eine andere Person ergeben müssen?

kayane. am 04.Aug 15  |  Permalink
Vielen Dank und gleichfalls!
Ja, das wird es wohl sein. Es fühlt sich an wie ein ganz selbstverständlicher Teil von mir selbst, der mich nicht behindert oder beeinflusst, mit dem ich mich aber wohl fühle und aus dem ich Kraft beziehen kann. Irgendwie ein sicheres Gefühl, und gleichzeitig sehr faszinierend.